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Windhorse Gesellschaft

Diagnosen

Die Windhorse-Gesellschaft betreut Menschen in schweren psychischen Krisen über einen Zeitraum von einem bis drei Jahren. Diese Krisen werden üblicherweise in der Psychiatrie mit folgenden Diagnosen klassifiziert:

Psychische Störungen aus

  • dem schizophrenen Formenkreis
  • Schizoaffektive Störungen
  • Schwere Störungen im Rahmen des Wochenbettes
  • Bipolare affektive Störungen
  • Emotional instabile Persönlichkeitsstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen

Ausgangspunkt

Der Ausgangspunkt einer Windhorse-Betreuung besteht jedoch immer in einer konkreten Leidenssituation eines oder mehrerer Menschen: Familienangehörige, Betroffene selbst oder auch andere Institutionen stellen den Kontakt zur Windhorse-Gesellschaft her und als direkte Antwort wird nach den notwendigen Vorgesprächen ein therapeutisches Team gebildet, das sich aus (mindestens) 2 BasisbetreuerInnen, einem/einer PsychotherapeutIn und einem/einer PsychiaterIn zusammensetzt.

Dieses therapeutische Team wird nach den individuellen Bedürfnissen und den vorhandenen Ressourcen der KlientInnen geformt und kann daher in seiner Größe sehr stark variieren.

Das Leben von KlientInnen ist durch drei Aspekte charakterisiert:

  • Die häusliche Umgebung,
  • die Beziehungen zu anderen Menschen sowie Gefühle/Emotionen und
  • den Geist, welcher Gedanken und ein Gefühl von persönlicher Anwesenheit und individueller Bedeutung mit einschließt.

Diese drei Aspekte beziehen sich direkt auf die drei Hauptkomponenten unserer Arbeit, den Therapeutische Haushalt, die Basisbetreuung und die Einzelpsychotherapie.

Der therapeutische Haushalt

Er stellt das Zentrum für die Aktivitäten des gesamten Windhorse-Teams dar. Dies ist meist die eigene Wohnung des/der KlientIn, in seltenen Fällen jedoch auch eine speziell angemietete Wohnung mit einem bis zwei MitbewohnerInnen. Die Aufmerksamkeit liegt dabei auf häusliche Aktivitäten: Das ist die Zubereitung von Essen, das Aufräumen, Putzen und Wäsche waschen, die finanzielle Situation, die persönliche Hygiene, körperliche Übungen und Aktivitäten. Dieser aufmerksame Umgang mit den Aufgaben des täglichen Lebens fördert das geistige Präsent-Sein und hat daher eine wichtige therapeutische Funktion.

Basisbetreuung

Grundlage der Windhorse-Therapie ist die Basisbetreuung, die durch ausgebildete BegleiterInnen in der Regel drei Stunden lang in oder außerhalb der Wohnung durchgeführt wird. Die BegleiterInnen sind während dieser Zeit auf eine natürliche und einfühlsame Art für den/die KlientIn präsent und bereit, das zu tun, was sich gerade entwickelt: Hausarbeiten, einkaufen, spazieren gehen, sportliche oder kreative Tätigkeiten oder einfach sitzen und plaudern oder auch schweigen. Eine Umgebung wie diese vermag eine (Re-) Integration in das tägliche Leben am besten zu fördern. Wichtig ist dabei, dass die Entwicklung Schritt für Schritt erfolgt und durch die BegleiterInnen geduldig unterstützt wird. Die Kontinuität der Begleitung, generell für mindestens ein Jahr, spielt eine wichtige Rolle, um eine tragfähige Beziehung zwischen KlientIn und BegleiterIn aufzubauen. So eine Beziehung ermöglicht es gemeinsam durch krisenhafte Zeiten zu gehen. In einer guten und ehrlichen Beziehung können sich die Beteiligten auf einen langsamen Heilungsprozess einlassen. Die Aufmerksamkeit der BasisbetreuerInnen richtet sich auf das Erkennen und Fördern der klaren Momente und gesunden Impulse des/der KlientIn sowie auf den Aufbau von gesunden menschlichen Beziehungen: Sie dienen als Lernmöglichkeit für spätere Beziehungen, die außerhalb von Windhorse entstehen und nicht betreuungsorientiert sind.

Einzelpsychotherapie

Die Einzelpsychotherapie ermöglicht es dem/der KlientIn mit seinen/ihren drängenden Anliegen in einem offenen Dialog zu arbeiten. In dieser therapeutischen Beziehung kann eine tiefe Erfahrung des Angenommenwerdens stattfinden. Der/die KlientIn bekommt in einfühlsamer Weise Unterstützung im Erforschen und Verstehen eigener Bewusstseinsveränderungen und im Umgang mit schwierigen emotionalen Zuständen. Es entsteht für jeden/jede KlientIn langsam eine persönliche Perspektive für den weiteren Lebensweg.

Die Windhorse-Therapie ist ein lebendiger Beweis dafür, dass Professionalität und natürliche menschliche Beziehungen kein Widerspruch sein müssen. Echtheit in der therapeutischen Beziehung ermöglicht einen lebendigen Austausch. Dabei erwächst dem/der KlientIn mit der Zeit Vertrauen in ihre/seine eigenen Einsichten, Ressourcen und Möglichkeiten. Neue Wege mit sich selbst und anderen umzugehen, entstehen.

Weitere zentrale Aspekte der Windhorse-Arbeit sind:

Psychiatrische Begleitung

Der psychiatrischer Anteil der Tätigkeit bei einem Windhorse-Projekt umfasst - zu Beginn eines Projektes - die Abklärung der Eignung einer psychischen Verfassung eines/r KlientIn für ein solches Projekt (Vertragsfähigkeit, Motivation in einem solchen Setting Krisen zu überwinden, die Bereitschaft konstruktive Beiträge dafür zu leisten, die Verzichtsbereitschaft auf nicht ärztlich verordnete psychoaktive Substanzen, die Abklärung von bestehender Selbst- und Fremdgefährdung, sowie das Aushandeln von erwarteten Schritten bei derartigen Gefährdungen etc.)

Im Verlaufe der weiteren therapeutischen Arbeit sind minimal 1-mal monatliche Kontakte vorgesehen für die Einschätzung und Intervention entlang der Störungs-/Gesundungsentwicklung.
Es wird dabei von einer ganzheitlichen Sicht ausgegangen, die neben der psychischen Verfassung, Einflüsse aus dem körperlichen und sozialen Feld einschließt. Die Rolle der BeziehungspartnerInnen im Aufrechterhalten und Lösen von Problematik, Unterstützung und Mitwirken an Gesundungsprozessen wird thematisiert.

KlientInnen werden dabei nicht nur von ihrer Vulnerabilität her verstanden, sondern auch von ihrer "Salutogenität" - im laufenden Diskurs mit ihren Umwelten. Das psychiatrische Interesse liegt daher an dem im Menschen implizit vorhandenen Selbstheilungspotential.
Symptome werden nicht nur in ihrer Defizienzqualität gesehen, sondern auch als die derzeit bestmögliche kreative Lösung angesichts von Konflikt, Spannung, Bedrohung, sowie Fragmentierungs- und Entfremdungserleben im jeweiligen existentiellen Kontext.

Die Rolle von Psychopharmaka in der Windhorse-Therapie ist neben der Anwendung wissenschaftlichen Standards klientenwunsch-berücksichtigend - nach Aufklärung, Gespräch und Verhandlung. Dabei wird auch von gemachten Vorerfahrungen ausgegangen - häufig sind Windhorse-Betreuungen Anschlussbehandlungen nach kurz vorher absolvierten Krankenhausaufenthalten. Dem Anstellen von Nutzen/Risiko-Überlegungen kommt dabei größere Bedeutung zu. Ebenso der Entwicklung der Selbsteinschätzung der patienteneigenen Verfassung.

Angehörigenarbeit

Windhorse bezieht in die Begleitungsarbeit die Familien, PartnerInnen und FreundInnen mit ein, weil Dynamik, Verhalten und Kommunikation innerhalb dieser Systeme den Gesundungsprozess stark berühren. Weiters können Angehörige einen Anstoß dafür geben, dass eine gesunde Umgebung geschaffen oder behindert wird.

Eine Grundrichtlinie ist, dass alle Beteiligten, also KlientInnen, therapeutische Windhorse-BegleiterInnen, Familienmitglieder und FreundInnen in den Gesundungsprozess eingebunden sind, und dass jede Veränderung eine Belastungsprobe darstellt. Daher ist es von großer Bedeutung, dass alle an einem gemeinsamen Ziel arbeiten und eine gemeinsame Phantasie entwickeln, um Gesundheit zu fördern.

Die Angehörigenrunde ist Teil des Behandlungskonzeptes. Sie bietet Raum um:

  • sich als aktiven Teil des Beleitungsprojektes zu erfahren,
  • die eigenen Wahrnehmungen und Veränderungen auszutauschen und
  • Fragen und Probleme zu besprechen. Sie dient nicht zur Information über die KlientInnen