Die Geschichte von Windhorse

Dr. Edward Podvoll und der Beginn des Windhorse-Projekts

Initiator des Windhorse-Projekts war Dr. Edward Podvoll, Psychoanalytiker und Psychiater.

Er beobachtete in seiner jahrelangen Tätigkeit in Kliniken für psychiatrische Langzeitpatient*innen, dass lange stationären Aufenthalte den Erholungs- und Genesungsprozess von Patient*innen oft behindern. Sie können dort nicht in ihrer eigenen selbstgewählten Umgebung sein, sie verpassen den Anschluss an eine Alltagssituation, sind unter vielen anderen Menschen, die ihrerseits ebenfalls mit den eigenen jeweiligen psychischen und geistigen Ausnahmezuständen befasst sind.

Gemeinsam mit Absolvent*innen des Studienprogramms für kontemplative Psychologie der Naropa Universität (USA, Colorado) entstand das erste Windhorse-Team, eine intensive Betreuungssituation in einer eigens für diesen Zweck angemieteten Wohnung. Diese Situation ermöglicht es Patient*innen ihre Umgebung selbst zu gestalten, Alltag zu leben und in kontinuierlichem Kontakt mit Menschen zu sein, die sich der Fragilität aber auch der Ressourcen des Mensch-Seins bewusst sind.

Naropa Universität

Die Naropa Universiät (früher: Naropa Institut) ist eine private Universität für Freie Künste in Boulder, Colorado, USA. Sie wurde 1974 vom tibetisch-buddhistischen Lehrer Chögyam Trungpa gegründet. Ed Podvoll war dort von 1977 bis 1990 Leiter des Studienprogramms für kontemplative Psychologie.

Kontemplative Psychologie

Die kontemplative Psychologie bezieht sich auf die Erfahrungen der westlichen, humanistischen Psychologie und die Erkenntnisse und Praktiken der buddhistischen Psychologie.

In der buddhistischen Psychologie gibt es bestens dokumentiertes Wissen darüber, wie der Geist im gesunden und verwirrten Zustand funktioniert. Dieses Wissen kann durch die Praxis der Achtsamkeit und des Mitgefühls erfahren werden.

Das ursprüngliche Windhorse-Modell

Im ursprünglichen Windhorse-Modell bilden Basisbetreuer*innen und Psychotherapeut*in, sowie Mitbewohner*innen ein engmaschiges Team mit den Klien*innen. Die Mitbewohner*innen teilen die Wohnung mit den Klient*innen, folgen sonst aber ihren eigenen Lebensinteressen und -verpflichtungen.

Die Basisbetreuer*innen sind für die Unterstützung der Klient*innen im Tun des Alltags da.

Die Psychotherapeut*innen unterstützen den Prozess zur Gesundung in intensiven Begegnungen, mehrmals in der Woche, um jedwedes Erleben in Gedanken, Gefühlen oder Träumen, das sich anbietet gemeinsam zu beleuchten und zu erforschen.

Zusätzlich finden noch regelmäßige Vernetzungssitzungen innerhalb des Teams statt.

Die Windhorse-Gesellschaft in Wien

Windhorse Wien wurde von einem engagierten Team um Dr. Hans Kaufmann im Jahr 1994 nach einer Fortbildung mit Dr. Podvoll gegründet und in den ersten Jahren von Jeff Fortuna, einem engen Mitarbeiter und Kollegen von Dr. Podvoll inhaltlich unterstützt. In Wien ist die Windhorse-Gesellschaft eine anerkannte Einrichtung des „Fonds Soziales Wien“ und bietet Unterstützung im Alltag im Rahmen des „Teilbetreuten Wohnens“ an.

Entwicklungen

Seit Beginn der 80er- Jahre in den USA hat sich im Bereich des Umgangs mit und des Verständnisses für Menschen in schweren psychischen Krisen und Erkrankungen zum Glück viel verändert. Die Sichtweise, dass man von Psychosen genesen kann setzt sich weitgehend durch. Peers, den Expert*innen aus Erfahrung, wird Respekt entgegengebracht und ihre Erfahrungen werden zu einem wichtigen Beitrag, sei es für Betroffene, Angehörige oder Helfer*innen. Dass Helfer*innen und Angehörige auf ihre eigene Gesundheit ebenso kontinuierlich achten müssen und sich niemals auf der „sicheren Seite“ wähnen dürfen, entlastet. Gesundheit ist kein statisches Gut. Nur gemeinsam können wir eine Umgebung, eine Gesellschaft gestalten, die als heilsam und gesund für alle Beteiligten erlebt werden kann. Dies kann mitunter auch ein mühevoller Prozess sein, während dem man auf unerwartete innere oder äußere Widerstände stößt. Wenn diese Widerstände oder Schwierigkeiten mit Sorgsamkeit und Interesse bedacht werden, können sie wertvolle Schritte zur Gesundung sein.

Die finanziellen Ressourcen erlauben nicht immer ein intensives Windhorse-Projekt und die Gegebenheiten in den verschiedenen Windhorse-Gruppierungen sind sehr unterschiedlich. Windhorse ist kein Franchiseunternehmen, es gestaltet sich je nach seiner Umwelt und den gegebenen Bedingungen. Was zählt, ist die Sichtweise der grundlegenden geistigen Gesundheit jedes Menschen und die Freude und erkannte Sinnhaftigkeit am Erforschen der geistigen Prozesse unserer menschlichen Gegebenheiten.